De Materie von Louis Andriessen

Zur Eröffnung der Ruhrtriennale 2014 wird das Ensemble Modern Orchestra gemeinsam mit dem Chor WerkRuhr unter Leitung von Peter Rundel die deutsche Erstaufführung von Louis Andriessens Musiktheaterwerk „De Materie“ in der Inszenierung von Heiner Goebbels präsentieren. Dieses erste große Musiktheaterwerk von Andriessen für Solisten, Sprecherinnen, Chor und großes Ensemble ist seit seiner Uraufführung in Amsterdam 1989 nicht mehr szenisch realisiert worden.

Wie in vier umfangreichen Kapiteln eines Buches oder Sätzen einer Symphonie reflektiert "De Materie" die Zusammenhänge von Materie, Geist und Gesellschaft in wechselnden Perspektiven: z.B. die niederländische Unabhängigkeitserklärung von 1581, eine Anleitung zum Schiffsbau vo 1690, ein philosophisch-naturwissenschaftlicher Essay von 1651, die religiös-erotische Vision einer Nonne aus dem 13. Jahrhundert, ein kunsthistorisches Manifest, eine private Notiz zu Piet Mondrian, ein Gedicht über den Tod, eine Tagebuchaufzeichnung und eine öffentliche Rede von Marie Curie. In Andriessens Komposition stoßen diese Quellen in einem groß angelegten musikalisch-philosophischen Werk zusammen: das Private auf das Politische, die Physik auf die Liebe, Einzelschicksal auf Menschheitsgeschichte. Seine Musik ist wie Architektur. Sie pulsiert, schwebt und lässt dem Betrachter Raum. Die Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord bietet mit ihrer Dimension den passenden Rahmen.

Louis Andriessen, geboren 1939, ist einer der herausragendsten Komponisten Europas und eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen niederländischen Kunstszene. Seine Musik, die Einflüsse von Strawinsky aufnimmt und sich gegenüber vielen Genres der populären Musik offen zeigt, ist gekennzeichnet durch die Verbindung von vorwärtsdrängender Energie, von Sparsamkeit und Klarheit des Materials und von charakteristischen Klangerfindungen, oft dominiert durch die Schärfe von Holz- und Blechbläsern, Klavieren und elektrischen Gitarren.

Das Ensemble Modern Orchestra wurde 1998 mit dem Ziel gegründet ausschließlich Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zur Aufführung zu bringen. Den Kern des bis zu 130 Musiker umfassenden Orchesters bilden die Solisten des Ensemble Modern, die durch Musiker aus der ganzen Welt unterstützt werden, zu denen das Ensemble im Laufe seiner über 30-jährigen Tätigkeit Kontakt gewonnen hat. Dank der Förderung der Kulturstiftung des Bundes erfährt dieses Modell ab 2014 eine Weiterentwicklung: das EMO öffnet sich nun auch den herausragenden aktuellen und ehemaligen Stipendiaten des Masterstudiengangs und ausgewählten Teilnehmern internationaler Meisterkurse der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA).

FotoFotoFoto